Jo. Franzke Architekten Jo. Franzke Architekten

Projekt

Vincentius Areal

Konstanz,

Das Wohnquartier stellt eine Verbindung zwischen der Konstanzer Altstadt und dem gründerzeitlichen „Paradies“ her. Das Grundstück zeichnet sich durch seine günstige Lage aus. Die fußläufige Nähe zur Altstadt und zum Seerhein sowie das direkte Angebot an Versorgungseinrichtungen machen es zu einem der begehrtesten Orte der Stadt Konstanz. Die gegenwärtige städtebauliche Situation trennt die beiden Stadtteile Niederburg vom „Paradies“. Das einstige „Tor zum Paradies“ mit der Anlage des „St. Vincentius Hauses“ und dem gegenüber liegendem Humboldt-Gymnasium ist verkümmert: Die Schottenkapelle verschwindet im Dickicht und der Zaun des Gymnasium trennt den Schottenplatz ab. Übrig geblieben ist ein zugewucherter Pfad.

Der Neubau ist als Blockrandbebauung mit Flachdächern konzipiert. Im Norden, Osten und Westen ist die Bebauung viergeschossig mit Staffelgeschosses. Sie wird gekrönt von vereinzelten Baukörpern, in denen die Erweiterung von Maisonettewohnungen und deren Dachgärten oder Technikräume untergebracht sind. Das Gebäude nimmt die Trauf- bzw. Firsthöhen der Nachbarbebauung in der Schottenstraße auf. Im südlichen Grundstücksteil terrassiert sich die Blockrandbebauung um ein Geschoss ab und geht auf die Höhe des gegenüber liegenden Altbaus des St. Vincentius Hauses ein. Die geplante Wohnbebauung bildet nach Norden die Raumkante zum Schottenplatz und korrespondiert mit dem gegenüberliegenden Humboldtgymnasium. Die Gebäudekante ist deutlich  nach Süden hin zurückversetzt, um einen öffentlichen Platz zu schaffen. Der Schottenplatz wird in diesem Entwurf als Ganzes betrachtet. Eine Pflasterung, die sich bis zum Schulgebäude fortsetzt unterstreicht die städtebauliche Idee, ein größeres Ganzes zu schaffen. Somit entsteht ein deutlich wahrnehmbarer Platz; die Schottenkapelle wird angemessen inszeniert. Durch die einheitliche Gestaltung spielt dabei der Schulzaun, der den Platz durchquert, keine wahrnehmbare Rolle mehr.  Alle denkmalgeschützten Bäume bleiben erhalten und werden aufgrund der strengen Platzgestaltung wieder als Einzelbäume erkennbar. Zum neuen (alten) Schottenplatz sind Einzelhandelsflächen (z.B. Bäckerei mit Café) und Townhäuser angeordnet. Das einstige „Schlupfloch“ Frieda Sigrist-Weg lädt nun zum Verweilen ein und wird zur Hauptverbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen der „Niederburg“ und dem „Paradies“. Die Bushaltestelle liegt optimal am östlichen Rand des Platzes.

In der Schottenstraße im Westen setzt sich die Blockrandbebauung fort und wird in gleicher Flucht mit dem „giardino segreto“ und dem denkmalgeschützten Baumbestand ergänzt. Hierbei reagiert die Landschaftsarchitektur sensibel auf den Baumbestand und nimmt die vorhandene Topografie in die Planung auf. Der bestehende Gehweg und der Parkstreifen bleiben davon unberührt. Auf eine Vorgartenzone entlang der Bebauung wird bewusst verzichtet, um dem kleinen höhergelegenem Park mehr Bedeutung zu verleihen, der gleichzeitig auch der Eingang mittels einer Rampenanlage zum Innenhof des Neubauquartiers wird: An dieser Stelle lässt die Blockrandbebauung einen Spalt offen und signalisiert den barrierefreien Zugang zum halbprivaten Freibereich. Der ansonsten nach außen hin geschlossene Wohnblock lässt der Villa den nötigen Freiraum. Der alte Bestand wird wieder als Solitär wahrgenommen. Die exponierte Lage und die Architektur des Altbaus rechtfertigen großzügiges Wohnen mit insgesamt neun Wohneinheiten. Der Großteil der Häuser wird straßenseitig erschlossen. 

Auf oberirdische Parkplätze auf dem Areal wird zugunsten der Freiraumgestaltung  verzichtet. Alle 165 Parkplätze sind unterirdisch auf zwei Ebenen angeordnet. Die Tiefgaragenzufahrt befindet sich am südlichen Ende der Neubebauung. Temporäre Aufstellflächen zum Be- und Entladen befinden sich zwischen Altbau und Neubau neben der Tiefgaragenzufahrt sowie auf dem Schottenplatz.

Der Kinderspielplatz wird auf dem „giardino segreto“ nachgewiesen. Um das Zusammenspiel von Freiraum und Architektur in Einklang zu bringen, wurde ein Haustyp als Modul entwickelt, das alle Wohnformen und viele Grundrisstypen darstellen kann und sich entlang des Blockrandes zu einem annähernd geschlossenen Ring aneinanderreiht. So entstehen zehn Häuser, die gut ablesbar sind und trotzdem als Ensemble eine geschlossene Einheit bilden. Jedes Haus bildet eine eigene Adresse, verfügt über ein eigenes Treppenhaus und einen Aufzug, so dass alle Wohnungen in den Obergeschossen als barrierefrei einzustufen sind. Zu allen Himmelsrichtungen sind Wohnungen angeordnet in unterschiedlichen Größen und Wohnungstypologien. Alle Wohnungen orientieren sich  zum Innenhof und haben Zugang zum halbprivaten Innenhof. Insgesamt werden im Neubau 101 Wohnungen nachgewiesen.

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